Inseln, die aus Träumen geboren
Impressionen aus dem Netzwerktreffen im Raum Wien vom 10.10.2025 rund um ein Feuer zwischen Traum und Wirklichkeit, Schmetterlingsmelodien und Ohrwürmern, das Gefühl in Scherben zu liegen, Hühnersuppe und unverhoffte Momente von Glücksgefühl, das all dem entsteigt.
In einem kleinen Akazienwäldchen trafen wir uns diesmal, am Fuße einer Landschaftsformation, die wie ein weiblicher Schoß aus Lößerde unter weit offenem Himmel da liegt. Das Feuer war schnell entfacht, der Mond schien hell und wohlwollend aus leicht bewölktem Himmel. Periodisch strich leichter Wind über die schon teils blattlosen Baumkronen, die er mit wiegenden, knarrenden Melodien und Klängen und sowas wie leichtem Meeresrauschen bespielte. Das Wetter dieses Abends zeigte sich sehr gemäßigt, ganz im Gegensatz zum heurigen Oktoberwetter, das heftig zwischen Feuer und Eis wechselte.
Da wir zu viert waren, tauchte gleich zu Beginn die scherzhafte Bemerkung auf, dass wir uns heute wohl in Kleeblatt-Formation treffen würden. Auch setzten wir uns eigenartigerweise sofort in einer Halbkreis-Formation ums Feuer, so, als ob uns da noch genauso viele gegenübersitzen würden.
Wir brachten etliche persönliche Geschichten, Eindrücke und Erlebnisse aus diesem Jahr mit an dieses Feuer, auch Anekdoten abgehaltener Feuerkreisdialoge an den verschiedenen Orten, Berichte über Bewegungen und Nicht-Bewegungen der Natur-Dialog-Bewegung (nun Natur-Dialog-Netzwerk) dieses Jahres.
Insgesamt betrachtet, war es wohl ein Jahr der großen Veränderungen und Zuspitzungen, begleitet von Serien aus Pleiten, Pech und Pannen in einer Welt der großen Brüche und Umbrüche, großen Heraus- und wahrscheinlich sogar Überforderungen. Das momentane Gefühl in Scherben zu liegen kommt sicher nicht von ungefähr. Notwendigerweise transformativ – definitiv!
Doch gab es bei diesen Treffen auch Anderes. Ein kleiner Funke Aufbruchstimmung, das Gefühl in ruhigen Bahnen Gefäße verankert zu haben, die darauf warten, gefüllt zu werden, diese stillen Momente im Mondschein, an der Glut des Feuers, wie leise Metamorphosen, die scheinbar ins Nichts endeten. Doch… irgendwie… nichts ist nie nichts.
Schmetterlinge
Transformation ist bei genauerer Betrachtung eine Phase, die im Verborgenen, im Rückzug, im Schutz der Verpuppung still und leise passiert. So waren auch Schmetterlinge Thema, wie die Erzählung von der Begegnung mit einem blauen Schmetterling am Meeresstrand in Brasilien, dessen gemalte Darstellung die Verbundenheit mit einer indigenen Stammesältesten erinnert.
Mehrere Geschichten über Begegnungen mit heimischen Tagpfauenaugen gab es auch. Es ist begleitend während einer Wanderreise aufgetaucht und schließlich führend zu neuen Wegen und interessanten Begegnungen, aber auch zuflüsternd bei der Beobachtung ihres Flügelschlages, wo dabei diese kleine Melodie in ein Ohr gesetzt wurde …
Ohrwürmer
Beim Versuch diese Schmetterlingsmelodie nachzusummen, nachzusingen, funkten immer wieder alte Ohrwurmmelodien dazwischen, woraus schließlich ein buntes Schlagerrätselraten wurde. Auch das Feuer brannte gefühlt so heiß, sodass sich diese karibisch-tropische Atmosphäre da mitten im Oktober breit machte. Inseln, die aus Träumen geboren… Hmm?
Guantanamera… eine Liebeserklärung an ein Landmädchen aus Guantanamó Bay… Häh? Sehnsucht nach heiler Welt und Verliebtheit? Die Sehnsucht nach Freundschaft, Geborgenheit und Heimat? Oder einfach nur mehr reif für die Insel?
Im Nachfeld des Treffens bei unseren Nachforschungen zu den aufgetauchten Schlagern löste es teilweises Entsetzen aus, was uns da per Ohrwurm zwischen Originalsprache, Übersetzung und Cover als Hit, Schlager oder Gassenhauer so alles untergejubelt und mitverkauft wird.
Stab, Kreis, Phönix
Es gab auch diesen speziellen Moment als der Redestab zu einem Kreis geformt, über das Gefühl in Scherben zu liegen erzählt und der Kreis mit einem begleitenden „Wie Phönix aus der Asche!“ ins Feuer geworfen wurde. Diese feine, spezielle, transformatorische Qualität des Elementes Feuer scheint was ganz Neues zu erschaffen. Ganz was Neues, das vieles überhaupt erst ermöglicht, was vorher völlig ausgeschlossen erschien. So oder so ähnlich könnte man es übersetzen. Oder eben auch so:
Als Wir geboren
Wozu könnte die Vernetzung von natur-dialogischen Menschen überhaupt gut sein? Natürlich, es ist schon wunderbar, die Freiheit zu haben, sich im Wald zusammenzufinden und ein Feuer zu entzünden, ihm zu lauschen, für seine Präsenz zu danken.
Vielleicht hat der Ort oder die Landschaft mitgespielt, dass sich immer wieder Gesprächsthemen um Zyklen, Geburt, etc. dazu mischten. Wir essen Hühnersuppe mit Nudeln und Gemüse und dreierlei Süßes. In vielen Kulturen wird Hühnersuppe als stärkendes Elixier nach der Geburt verabreicht. Moment mal? Welche Geburt? Die eines … Wir….?
Bitte nicht diese platten „Parolen-Wir‘s“ in die so oft eingespannt wird, vielleicht eher ein sehr großes, weites Wir, keinesfalls übermenschliches, aber sicher ein sehr menschliches und mehr-als-menschliches Wir, eines das so viel mehr ist, als ein bloßes Ich-chen je sein könnte??
Der Wind, der weiterträgt
Das Element Wind war wohlwollend präsent diesen Abend. Seine transformatorische Kraft, seine weg-, davon- von weit hin und hertragende, aufwirbelnde Kraft ist freilich immer gut für ein Überraschungsmoment. Ebenso überraschend, dass beim Dahinbrausen am „Highway“ im Marchfeld mit offenem Autofenster der Meereswind gerochen und nahezu das Wellenrauschen gehört wurde.
Wer weiß schon was der Wind bringt und wohin er trägt? Doch ist es wahrscheinlich immer gut zu wissen woher der gerade Wind bläst…
Insel, aus Feuer geboren
Die Erde und das Laub am Waldboden waren recht trocken. Wir fragten uns, ob wir die Restglut löschen sollten. Aus einem Impuls heraus wurde die Feuerstelle mit reichlich Wasser umgossen. Wir staunten nicht schlecht über dieses Abschlussbild. Nun war sie ganz plötzlich da, die Insel aus Feuer geboren… wie schnell das geht!
Als wir aus dem Wald treten, schaut der Mond durch ein großes Wolkenfenster und leuchtet uns den Weg. Auf der Heimfahrt springen ein junger Hirsch und zwei Rehe fast gemächlich über die Straße. Aber das verwundert uns nicht weiter, sondern ruft Freude und Staunen über die Schönheit in uns wach.

Autor:innen: Franz Schweinberger, die Landschaft, der Wald, Andrea Schalk, die Schmetterlinge, Maria Raab, der Wind, der Mond, Barbara Wörz, das Feuer u.v.m.
Fotos: Barbara Wörz, Andrea Schalk

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