dichte Tage – rauhe Nächte #17
Ein dichter Tag
Beate Zeller
Ein dichter Tag – oder was alles in einen Tag passt – kein Wunder, dass wir ruhen müssen.
Reise ins Allgäu und zurück nach München an einem Tag mit Annegret und Hannah, Kontakten aus der Frauenzeit (ein Format von Wandlungsräume )
Wir folgen der Einladung von Teresa, die uns eine Erzählung der Geschichte des Universums verspricht, das Herzensprojekt ihrer ältesten Freundin Anna. Da wir sowieso für den 28. Dezember unsere Jahresendwanderung geplant hatten, sagen wir begeistert zu.
Es wurde ein sehr dichter Tag mit gemeinsamer Zugfahrt, Wanderung, Essen und Austausch und einer sehr kalten Nacht unter funkelndem Sternenhimmel, erhellt vom Halbmond.
Wir lauschten Annas Worten, acht Frauen rund um ein Feuer, umschlossen von einem Kreis von Fichten, die bei der Frage, ob sie uns und ob der Ort uns willkommen heiße, vom Ostwind bewegt, wie nickten, ihre Zweige zustimmend auf und ab bewegten. Wir hörten von unerhörten Zufällen, die dazu führten, dass es uns gibt, dass es die Erde in dieser Form gibt und in genau dieser Neigung zur Sonne. Permanente Explosionen finden in der Sonne statt und irgendwann wird dieser Stern verglühen. Das werden wir nicht mehr erleben – aber wir erfahren, dass alles vom Anbeginn der Welten auch in uns ist, und nicht nur in der Form von Kohlenstoff. Wie spontan es zur Kreation von neuen Elementen kam und dass das Universum sich immer weiter ausdehnt.

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Während ich das schreibe, knallt es vor meinem Fenster, es ist Sylvester.
Dann höre ich heute den Podcast mit dem Philosophen Stefan Riedener im SRF und auf Schweizerdeutsch, er ist der Partner von Anna, und ich erkenne vieles wieder – er spricht u.a. von der mehr-als-menschlichen Welt, was einen weiteren Horizont zuläßt, als zu sagen „Die Natur“ oder die nicht-menschliche Welt – als wäre alles nur aus uns definiert oder als wäre alles nur ein großer Block.
Es geht um die Beziehungen, zu erkennen, dass es die Beziehungen sind, die uns lebendig machen und die es zu pflegen gilt – oder denen wir mehr Aufmerksamkeit schenken dürfen.
Zufällig hatte ich vor kurzem das schmale Büchlein „Das Universum ist ein grüner Drache“ von Brian Swimme geschenkt bekommen – ich lese es jetzt, im Nachgang an unser besonderes Treffen, gehalten von und gegründet auf Teresas Beziehungen, noch einmal.
Einen Satz notiere ich mir aus dem dialogisch angelegten Text:
„Jede lebendige Gemeinschaft ist der Widerhall eines vorhergehenden geheimnisvollen lockenden Wirkens.“

Autorin: Beate Zeller
lebt in München, sucht dort die Parks und Grünflächen auf, hat ein waches Auge auf sogenanntes Verkehrsbegleitgrün, beackert eine Parzelle, ist „offizielle” Grünpatin, findet Trost im stetigen Fließen der Isar und macht gerne Ausflüge in die nahe Umgebung des Voralpenlands.
Fotos: Annegret Arnold

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