dichte Tage – rauhe Nächte #Weihrauch
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Winterruhe
Ursi Arztmann
Kälte umfängt mich, hüllt mich ein, vernebelt meinen Blick – unterwegs sein im Winter braucht Anlaufszeit, Aufwärmzeit – ich muss mit der verschneiten Landschaft erst warm werden, ehe ich mich auf sie einlassen kann. Muss erst abbremsen um anzukommen.
Eis und Schnee bedecken und umhüllen eine scheinbar schlafende Natur. Die Geräusche sind intensiver – aber sie kommen von mir – das Knarren und Knirschen der Stiefel im Schnee, das “Schshshsht” beim Drüberstreichen und der Atem, der sich vor meinem Gesicht in Wolken verwandelt. Ich höre keine Vögel, kein Getier, kein Gesumme, nur mich selbst und den Wind.
In sich kehren und ruhen lehrt uns der Winter. Regenerieren. Herunterfahren. Erdulden. Gedulden. Eine Herausforderung in der naturentfremdeten Welt in der wir leben. Wir haben unsere eigenen Rhythmen erschaffen und halten nicht viel von Winterruhe. Unsere Uhren ticken unablässig. Unsere Lebenszeit scheint zu wertvoll, um sie mit Ruhe zu vergeuden.
Und doch spüren wir die innere Sehnsucht nach Be-sinnlichkeit, nach einer Rückverbindung mit dem Rhythmus der Natur… unserer Natur.
Nach Stunden im Schnee glühen meine Wangen, mein Blut rauscht, ich höre es in meinen Ohren. Zurück in der Wärme, die noch steifen Finger um ein heisse Schokolade geflochten, durchflutet mich das Glück. Der Duft steigt mir in die noch rote Nase und ich nehme mir viel Zeit für den ersten Schluck, lasse den Rahm, der obenauf schwimmt, genüsslich auf der Zunge zergehen.
Der Winter bremst… bis der Moment so gross wird, als hätte man ihn ausgedehnt, breit gemacht, Raum geschaffen. Darin lässt es sich gut leben, darin kann man Nester bauen. Momente voller Seelenfutter. Reichtum. Danke Winter.

Autorin: Ursi alias Uzzy Arztmann
lebt im Reusstal und liebt es in jeder Jahreszeit stundenlang durch die Wälder zu streifen. Ihre tiefe Verbundenheit mit Bäumen lässt sie dort die Verschmelzung mit dem Land am intensivsten erleben.
Fotos: Ursi Arztmann

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